Alpbach - Kongressdorf mit Geschichte

Das Tiroler Bergdorf Alpbach wurde 1150 erstmals urkundlich erwähnt. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts fand man Kupfer- und Silbererz. Der Böglerhof war damals Sitz der Fuggerschen Verwaltung und des Berggerichtes. Aufgrund der Abgeschlossenheit entstand eine eigene Bau- und Wohnkultur sowie ein tief verwurzeltes Brauchtum, das bis in die Gegenwart erhalten blieb. Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich Alpbach zur Tourismusgemeinde. Im August 1945 wurden von Otto Molden und Dozent Simon Moser die ersten Internationalen Hochschulwochen Europas nach dem Kriege veranstaltet. Seitdem findet jährlich im August das „Europäische Forum Alpbach“ statt, ein großer internationaler Kongress von prominenten Vertretern der Wissenschaft, der Politik, Wirtschaft und Kultur, von Professoren ebenso wie von Studenten und Intellektuellen aus verschiedenen Wissensbereichen. Jeweils unter einem Generalthema werden aktuelle Entwicklungen und Probleme in Seminaren und Plenarveranstaltungen in interdisziplinarer Weise vorgetragen und diskutiert.

Die vom Ambiente des Alpbachtales mitgeprägte Atmosphäre einer freien, geistigen Gemeinschaft hat über Jahrzehnte hinweg Persönlichkeiten aus vielen Fachgebieten und Kontinenten angezogen, die das Denken ihrer Zeit geprägt haben: Ernst Bloch, James Buchanan, Ralf Dahrendorf, Gottfried von Einem, Friedrich von Hayek, Kardinal Franz König, Konrad Lorenz, Karl Raimund Popper, Erwin Schrödinger, Fritz Wotruba und viele andere. Auch Politiker wie Bruno Kreisky, Jacques Delors, Indira Gandhi und Yitzak Rabin, Ban Ki-moon nahmen an den Alpbacher Veranstaltungen teil.

Congress Centrum Alpbach - Gebäude

Das vom Architektenteam DIN A4 aus Innsbruck 1997 konziperte Gebäude vermittelt eine helle und angenehme Atmosphäre. Ganz im Sinn der Bewahrung des besonderen Alpbacher Ortsbildes wurde das Haus in einen Hang gebettet. Damit konnte der Energiehaushalt optimiert und der Eingriff in die Natur so gering wie möglich gehalten werden. Ein spiralförmig angeordneter Lichtkegel ermöglicht es, dass alle Säle von Tageslicht durchflutet werden. Der mutigen Entscheidung des ehemaligen Bürgermeisters Alfons Moser ist es zu verdanken, dass traditionelles Bauen mit Holz bestimmend blieb.

Die Säle im Congress Centrum Alpbach wurden nach den mit dem „Europäischen Forum Alpbach“ in besonderer Weise verbundenen Persönlichkeiten benannt.

Gottfried von Einem (1918-1996): Österreichs bedeutendster Komponist der vergangenen Jahrzehnte hat Alpbach mit seiner „Alpbacher Tanzserenade“ ein musikalisches Denkmal gesetzt. Mit Tönen und Klängen gab Einem seinen Gefühlen über Glück, Tod und Traum Ausdruck.

Friedrich August von Hayek (1899-1992): Der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften von 1974 fühlte sich in Alpbach wie zu Hause. Der Volkswirtschaftler wirkte als Professor an der „London School of Economics“ sowie an den Universitäten von Chicago und Freiburg im Breisgau. Hayek gilt als Vertreter des Neoliberalismus.

Arthur Koestler (1905-1983): Der englische Schriftsteller österreichisch-ungarischer Herkunft studierte Naturwissenschaften. Koestler setzte sich besonders intensiv mit dem Kommunismus auseinander. Alpbach machte er zu seiner Wahlheimat und errichtete dort das sogenannte „Schreiberhäusl“.

Sir Karl Raimund Popper (1902-1994): Der in England lehrende Philosoph österreichischer Herkunft gilt als Begründer und Hauptvertreter des Kritischen Rationalismus. Er entwarf in kritischer Auseinandersetzung mit dem logischen Positivismus des Wiener Kreises eine allgemeine Wissenschaftstheorie und Methodenlehre.

Erwin Schrödinger (1887-1961): Der Nobelpreisträger für Physik von 1934 lebte zeitweise in Alpbach und liegt auf dem dortigen Friedhof begraben. Zu seinem geistigen Vermächtnis gehören das Schrödingersche Atommodell und das „de Broglie-Schrödinger-Modell“. Überdies setzte er sich mit philosophischen Problemen auseinander.

2013 verzeichnete das CCA sein bisher stärkstes Betriebsergebnis. Damit bestätigt sich, dass der Markt die Besonderheiten des Tagungsortes Alpbach gut annimmt und die außergewöhnliche Alpbacher Synergie von Tradition und Moderne sich längst auch wirtschaftlich lohnt. So ist es nur selbstverständlich, dass die Entscheidung für nachhaltigen Tagungstourismus auch bei der baulichen Erweiterung fortgesetzt wird. CCA – Geschäftsführer Georg Hechenblaikner erläutert: „Unser Ziel bei der Entwicklung des Anbaus war es, die Besonderheiten des Tagungsdorfs Alpbach zu erhalten. Wachstum um jeden Preis entspräche nicht unserer Vorstellung von nachhaltigem Tagungstourismus, immerhin ist auch die Tagungsdestination Alpbach über viele Jahre gewachsen und wird sehr stimmig von allen Beteiligten im Ort mitgetragen“. Die größte Veranstaltung im CCA ist zweifelsohne das jährlich im August stattfindende Europäische Forum Alpbach, das mit 4.500 nationalen und internationalen TeilnehmerInnen aus Wirtschaft, Politik, Kultur und Zivilgesellschaft bedeutenden Bedarf an der Erweiterung hat.

Factbox Erweiterungsbau

 

Alpbach – Geschichte im Detail

Obwohl der Name Alpbach erst im Jahre 1150 erstmals urkundlich erwähnt wurde, erfolgte die Besiedlung bereits vor und um die erste Jahrtausendwende durch die Bajuwaren.

Im Jahre 1860 fand man am Steinberger Joch (Übergang ins Zillertal) eine Bronzeaxt. Man vermutet daher, dass dieser Übergang schon vor der Hallstatt-Zeit begangen wurde.

Die Christianisierung erfolgte im 7. und 8. Jahrhundert durch irische und schottische Mönche. Der Patron der Pfarrkirche (Turm aus dem Jahre 1440, Hauptschiff 1754) ist der Heilige Oswald, ein ehemaliger König von Northumbria in England.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts fand man am Gratlspitz, Schatzberg und im Luegergraben Kupfer- und Silbererz. Die Handelsfamilie der Fugger aus Augsburg betrieb damals den Erzabbau in Schwaz und Kitzbühel und übernahm diesen auch im Alpbachtal. Der Böglerhof war der Sitz der fuggerischen Verwaltung und des Berggerichtes. Zwei Wirtshäuser gab es bereits damals, den „Böglerhof“ und den „Jakober“, letzteren nur als Branntwein-Schenke. Wegen des zu geringen Ertrages wurde der Bergbau in der Mitte des 19. Jahrhunderts eingestellt.

In Inneralpbach, steht am Waldrand oberhalb der kleinen Kirche der von 1636 bis 1638 von heimischen Zimmerleuten erbaute Bauernhof „Vorder-Unterberg“. Der Hof wurde bis zum Jahr 1952 bewohnt und beherbergt heute ein Bergbauernmuseum. Neben einer Bauernstube, einer Hauskapelle und einer Rauchkuchl können etwa 800 Einrichtungs- und Gebrauchsgegenstände besichtigt werden.

Aufgrund der Abgeschlossenheit des Tales (eine Fahrstraße am Talboden nach Alpbach gibt erst seit 1926) entstand in Alpbach eine eigene Bau- und Wohnkultur (Alpbacher Bauernmöbel), aber auch das Brauchtum blieb deshalb länger erhalten als in vielen anderen Tälern des Landes.

Die touristische Entwicklung begann in Alpbach mit Beginn des 20. Jahrhunderts. Im Jahr 1938 verzeichnete Alpbach bereits 110 Gästebetten, heute zählt man bereits mehr als 2.500 Gästebetten und über 300.000 Übernachtungen. Der Tourismus ist zwar der Haupterwerb der heimischen Bevölkerung (2.600 Einwohner), es gibt in Alpbach aber immer noch 105 bewirtschaftete Bauernhöfe, in etwa gleich viele wie vor 100 Jahren.

Alpbach ist seit dem Jahr 1945 Austragungsort des alljährlich stattfindenden Europäischen Forums Alpbach. Durch diesen internationalen Kongress, der mittlerweile mehr als 4.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verzeichnet, wird das Dorf jedes Jahr im August zum Treffpunkt führender Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Alpbach wird daher auch als „Dorf der Denker“ bezeichnet.

Das erste Kongresshaus in Alpbach wurde Mitte der 1950er Jahre erbaut und wurde nach der Dichterin Paula von Preradovic benannt. Sie schrieb den Text für die österreichische Bundeshymne.

Über Initiative von Kommerzialrat Alfons Moser, Alpbacher Bürgermeister von 1945 bis 1979, beschloss der Gemeinderat im Jahre 1953 die örtliche Bauordnung und verordnete bei Neubauten die Anpassung an den althergebrachten Alpbacher Baustil.

Im Jahre 1975 stellte das Österreichische Institut für Gesundheitswesen in Alpbach die reinste Luft Österreichs fest.

Im August 1983 wurde Alpbach im Rahmen eines Fernsehwettbewerbs des ORF aufgrund des einheitlichen Holzbaustils und des Blumenschmucks zum „Schönstes Dorf Österreichs“ gewählt.

Im Juni 1985 wurde der Gemeinde Alpbach vom Europarat in Strassburg in Anerkennung der Verdienste um die Förderung des europäischen Gedankens die Europafahne verliehen.

Im August 1993 erhielt Alpbach im Rahmen des europäischen Blumenschmuckwettbewerbs der „Entente Florale“ den Titel „Schönstes Blumendorf Europas“ zugesprochen.

Factbox Congress Centrum Alpbach

Im August 1999 wurde das neue Congress Centrum Alpbach eröffnet. Bei der Errichtung des Gebäudes wurden zwei wesentliche Aspekte besonders berücksichtigt: die Bewahrung des einmaligen Alpbacher Ortsbildes und ein möglichst geringer Energieverbrauch im laufenden Betrieb. Die geniale Architektur des Gebäudes umfasst einen zentral angeordneten Glaskegel und eine südseitig ausgerichtete Glasfassade, die für viel Tageslicht in sämtlichen Tagungsräumlichkeiten sorgen. Im Haus wurde Platz für zwei helle Foyers, einen Plenarsaal für 500 Personen und fünf Seminarräume geschaffen. Die sanfte Eingliederung des Gebäudes in die Landschaft wurde durch eine umfassende Begrünung komplettiert.

Im Frühjahr 2015 starteten die Bauarbeiten für den Erweiterungsbau des Congress Centrum Alpbach, der im Frühsommer 2016 eröffnet wird.

Congress Centrum Alpbach
Phone: +43 5336 600 100 | Mail: info@alpbach.at

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